Antifaschistischen Selbstschutz organisieren – Burg bleibt rot!

Für Samstag, den 08. Oktober 2016 rufen seit kurzem verschiedene Neonazistrukturen (u.a. die „Brigade Halle“) dazu auf, im Anschluss an einen Neonaziaufmarsch – welcher in Roßlau stattfinden soll – nach Burg zu fahren. Grund hierfür sind wohl die zurückgeschlagenen Neonaziübergriffe der letzten Tage (Bericht). Ob die Faschisten einen Aufmarsch angemeldet haben oder die gezielte Konfrontation mit Antifaschist_innen suchen ist derzeit noch unbekannt. Fest steht aber: Sollten sich am kommenden Samstag Neonazibanden in unserer Stadt aufhalten, gilt es gegen diese vorzugehen. Deshalb rufen wir dazu auf, in den Straßen von Burg unterwegs zu sein und den antifaschistischen Selbstschutz praktisch werden zu lassen.

Verteidigt die wenigen linken Strukturen in der ostdeutschen Provinz!
Überlassen wir den Faschisten nicht die Straße!

Kundgebung | Sa, 08. Oktober 2016 | 17:00 Uhr | Oberstraße/Ecke Pfarramt | Burg
(Nutzt die Kundgebung als Anlaufpunkt)

Infotelefon: 0174/3697097
(Wird ab 15 Uhr erreichbar sein)

Kurzaufruf:

Nachdem es in den letzten Tagen lokalen Antifaschist_innen erneut gelungen ist, in der Kleinstadt Burg (Sachsen-Anhalt) eine Reihe von versuchten Neonaziübergriffen erfolgreich abzuwehren und konsequent zurückzuschlagen, rufen nun in den sozialen Netzwerken verschiedene Neonazistrukturen wie beispielsweise die „Brigade Halle“ dazu auf, am Samstag, den 08. Oktober 2016 im Anschluss an einen Aufmarsch in Roßlau nach Burg zu fahren. Obwohl bisher (Stand 07.10.2016) nach unseren Informationen kein Aufmarsch angemeldet wurde, ist der Aufruf der Faschisten in unsere Stadt zu kommen ernst zu nehmen. In den letzten Monaten waren immer wieder verschiedene Neonazis aus dem gesamten Bundesland in Burg und versuchten – wie z.B. am 16. Juli 2016 – Antifaschist_innen anzugreifen. Deshalb rufen wir dazu auf, sich diesen Samstag ab 16/17 Uhr bereit zu halten und auf Neonaziaktivitäten entsprechend zu reagieren.

Antifaschismus in der Provinz heißt entschlossen und konsequent vorgehen

Um es vorweg zu nehmen: Antifaschismus ist nicht nur ein Abwehrkampf und hat mehr Facetten als die Auseinandersetzung mit Neonazis. Da diese aber mit ihrem Aufruf nach Burg zu kommen eine Bedrohung darstellen, wollen wir noch einmal beleuchten, wieso es gerade in der Provinz wichtig ist, entschlossen und konsequent gegen dieses Nazipack vorzugehen.

Sei es im Februar dieses Jahres, wo nach einer Mahnwache gegen vermeintliche „linke Gewalt“ rund 15 Neonazis versuchten, in ein Wohnhaus in der Oberstraße einzudringen, die Ereignisse der letzten Tage oder die ganzen versuchten Übergriffe allgemein auf Antifaschist_innen in Burg: Nur durch ein entschlossenes Auftreten und ein konsequentes Handeln konnten sämtliche Angriffe abgewehrt und damit schlimmeres verhindert werden. Es war nie die Polizei, die Menschen vor den Neonazis schützte. Sie war und ist es, die gern mal weg schaut, wenn Neonazibanden durch die Stadt ziehen. Aber ist immer zur Stelle, wenn die Faschisten wieder einmal Anzeigen stellen. So war es auch nicht verwunderlich, dass am 20. Juni 2016 aufgrund der Aussage eines Neonazis aus Roßlau, der angeblich mit einer Schusswaffe bedroht wurde, sofort eine Hausdurchsuchung bei zwei Antifas durchgeführt wurde. Dass es sich dabei um eine Falschaussage handelte war klar. Eine Schusswaffe wurde – wie nicht anders zu erwarten – nicht gefunden.

Nicht nur diese Beispiele machen deutlich, dass man besonders in der Provinz auf sich allein gestellt ist, weshalb der Kampf gegen Neonazis mit allen Mitteln geführt werden muss. Es muss den Faschisten immer wieder deutlich gemacht werden, dass ihr Handeln massive Konsequenzen nach sich ziehen wird und immer wenn es geht, ihnen die Straße streitig gemacht werden. Nur so hat linke Politik in der ostdeutschen Provinz eine Chance.

Geflüchtete zum Teil hilflos der rassistischen Gewalt ausgesetzt

Neben der Gewalt gegen Antifaschist_innen kommt es in Burg fast täglich zu Bedrohungen und immer wieder zu Übergriffen auf Geflüchtete. Ein Schwerpunkt ist hier der Bereich um die Martin-Luther-Straße, direkt hinter dem Polizeirevier. Dort leben einige Suff-Nazis und Rassist_innen, welche die Wohnblöcke für sich beanspruchen. So verschafften sich beispielsweise mehrere Personen aus diesen Blöcken am 19. Juni 2016 Zugang zu einer Wohnung, die sich im selben Block befindet und von einem Geflüchteten aus Syrien bewohnt wird. Nachdem die Nazis und Rassist_innen aus der Wohnung gedrängt wurden, flüchteten sie in den Nachbareingang, um dort eine Party zu veranstalten. Die Polizei schritt hier erst ein, nachdem die Nazis und Rassist_innen von dem Flüchtling und seinen Freunden vertrieben worden waren.

Weitere Beispiele für die rassistische Gewalt sind die Übergriffe auf junge Geflüchtete, welche sich in letzter Zeit häufen. So wurde beispielsweise ein 15-jähriger irakischer Jugendlicher im Juli 2016 in der Innenstadt von Burg von einem bislang unbekannten Mann mehrfach ins Gesicht geschlagen. Erst vor wenigen Tagen, am 04. Oktober 2016, wurde eine Gruppe von jungen Geflüchteten auf einem Spielplatz von mehreren Personen mit Holzlatten und Eisenstangen angegriffen. Ein 12-Jähriges Mädchen musste daraufhin ärztlich behandelt werden.

Zwar sind diese Übergriffe nicht deckungsgleich mit denen des Personenkreises, der zum Großteil gegen Antifaschist_innen vorgeht, doch ähneln sich die Muster. Auch gleich ist, dass die Geflüchteten auf sich allein gestellt sind. Die wenigsten vertrauen noch der Polizei oder sehen sie als schützend an. Ein Unterschied ist aber – und diesen gilt es nicht länger hinzunehmen – dass ein Großteil der Geflüchteten nicht auf eine Struktur zurückgreifen kann, welche derartige Angriffe abwehrt oder entsprechend beantwortet.

Gemeinsam Selbstschutz organisieren – Antifa-Gençlik schaffen

Gerade in der Provinz haben alternative Jugendliche, Antifaschist_innen und Geflüchtete sowie Migrant_innen eine Gemeinsamkeit: Alle wollen ein durchaus gutes Leben in einer Region in welcher meist ein konservatives Alltagsklima und Perspektivlosigkeit herrscht. Das schöne Leben sieht – zumindest in der ostdeutschen Provinz – meist anders aus. Hinzu kommen Neonazibanden und Rassist_innen, die Menschen allein aufgrund ihrer Herkunft, Lebensweise und politischer Einstellung angreifen und damit Angsträume schaffen wollen.

Genau hier gilt es anzusetzen und zumindest einen gemeinsamen Selbstschutz zu organisieren und dies vielleicht sogar am Beispiel der Antifa-Gençlik-Gruppen aus den 90er Jahren. Die Antifa-Gençlik war ein Zusammenschluss mehrheitlich migrantischer Jugendliche, die auf die damalige Situation – welche zum Großteil von Ausgrenzung und Rassismus gekennzeichnet war – aufmerksam zu machen und gleichzeitig gegen den erstarkenden Nationalismus in der deutschen Gesellschaft sowie gegen Angriffe von Nazis und Rassist_innen vorzugehen und damit einen eigenen Selbstschutz zu schaffen.

Damit dies keine weitere Utopie bleibt müssen zukünftig Gespräche geführt, Konzepte ausgearbeitet und sich einfach besser kennengelernt werden. Obwohl Burg eine Kleinstadt mit gerade einmal 23.000 Einwohner_innen ist, fehlt doch vielen Antifaschist_innen ein Bezug zu den hier lebenden Flüchtlingen und Migrant_innen. Diesen Zustand werden auch nicht die gemeinsame Teilnahme an Veranstaltungen etc. überwinden, sondern nur, wenn alle den Willen haben, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

Gehen wir am Samstag, den 08. Oktober 2016 auf die Straße und gehen gemeinsam gegen die Nazibanden vor, die nach Burg kommen wollen. Organisieren wir darüber hinaus ein wirkungsvolles Selbstschutzkonzept, das uns auch zukünftig schlagfähig macht.

Gemeinsam gegen Nazis und Rassist_innen!
Organisiert den antifaschistischen Selbstschutz!
Burg bleibt rot!