Genthin: Proteste gegen Naziaufmarsch

“Es gibt kein ruhiges Hinterland” war das Motto am 7.Juni 2008 in Genhtin. Nachdem vor etwa 2 Wochen bekannt wurde das die Jungen Nationaldemokraten (JN) Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit regionalen Neonazis ein Demonstration in Genthin angemeldet haben mobilisierten, wir zu Gegenaktionen. Etwa 100-150 AntifaschistInnen folgten diesen Aufruf den Naziaufmarsch zu verhindern.

Gegen 10.30 Uhr trafen sich die ersten AntifaschistInnen am Bahnhof in Genthin. Nachdem kurze Zeit später etwa 15 Nazis mit einem Zug aus Richtung Berlin ankamen wurden diese mit Eiern und Steinen beworfen. Danach riegelten die Cops den kompletten Bahnhof ab. Auf dem Marktplatz sammelten sich nun immer mehr Menschen. Diese versuchten dann auf die Südseite der Stadt zu gelangen wo auch die Nazidemo lang laufen sollte. Dies wurde allerdings durch die Polizei verhindert. Da die Stadt durch die Zugstrecke gut in Nord und Süd geteilt ist, musste die Polizei nur ein paar Tunnel und Brücken sperren und schon war es fast unmöglich in den Südteil der Stadt zu gelangen. Um 12:00 Uhr fand dann unter dem Motto „Gesicht zeigen“ eine Mahnwache auf dem Marktplatz statt. Etwa 200 Menschen waren dort anwesend. Kurze Zeit später versuchten 50-60 Menschen in einer Spontandemo in den Südteil erneut zu gelangen. Dabei setzte die Polizei Schlagstöcke und CS-Gas ein, um die Demo zu beenden. Dabei stich besonders eine Hundertschaft aus Magdeburg durch ihr aggressives Auftreten hervor. Weitere versuche auf die Naziroute zu gelangen schlugen ebenfalls fehl.

Die Polizei machte den Süden von Genthin an diesen Tag zu einer polizeilich „national befreiten zone“. Alle Menschen die auch nur im Ansatz nach Gegendemonstranten aussahen, bekamen Platzverweise für den Südteil oder wurden eingekesselt. Insgesamt gab es an diesen Tag 8 Festnahmen von AntifaschistInnen. Das Scheitern den Naziaufmarsch zu verhindern wurde auch durch das Verbot der Antifa-Kundgebung im Südteil der Stadt begünstigt. Freitag bekam der Anmelder der Kundgebung einen Auflagenbescheid, in dem stand das sämtliche Anmeldungen gegen den Naziaufmarsch in Genthin im Süden verboten sind. Für die Zukunft müssen wir uns überlegen, wie wir Naziaufmärsche effektiv und erfolgreich entgegentreten können, ohne uns von den Cops sagen zu lassen was wir sollen und wo wir hin und wo wir nicht hin dürfen.

Antifaschistischer Spaziergang in Burg.
Mehrere Menschen entschlossen sich nach den Aktionen gegen den Naziaufmarsch in Genthin noch in Burg einen Spaziergang durchzuführen, um Nazipropaganda zu entfernen und die ein oder andere Deutschlandfahne umzugestalten, die zurzeit auch massiv in Burg an Autos hängen. Als es durch die Schartauer Straße ging (Haupteinkaufsstraße der Stadt) viel auf das Parolen wie „Kein Frieden mit Israel“ an öffentlichen Gebäuden gemalt wurde, ohne das auch die Stadt etwas dagegen unternimmt dies zu beseitigen. Aber dies ist auch nix neues in dieser Stadt. Nach etwa einer Stunde beobachtete uns dann auch schon das erste Auto mit 2 Neonazis drinnen. Diese entfernten sich allerdings wieder schnell. Stress mit Cops oder Nazis gab es an diesem Tag, zumindest in Burg nicht. Nach 2 Stunden beendeten wir dann den Spaziergang.



In Neubrandenburg fand am selben Tag ein Naziaufmarsch statt. Ein Bericht hierzu findet ihr
hier