Redebeitrag auf der Kundgebung am 27. April 2014 in Ziegenhals (Königs Wusterhausen)

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde.

Im Namen der Antifaschistischen Aktion Burg [AAB] möchte ich euch, anlässlich des 128. Geburtstags des Antifaschisten und KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, hier an diesem historischen Ort, wo kurz nach der Machtübergabe an Hitler am 07. Februar 1933 der Genosse Thälmann vor dem Zentralkomittee der Kommunistischen Partei Deutschlands dazu aufrief, den Kampf gegen den Faschismus und Krieg weiterzuführen, begrüßen. Für uns ist es eine große Ehre und Verpflichtung zugleich, hier sprechen zu dürfen und damit die Erinnerung an Ernst Thälmann sowie seinen Kampf wachzuhalten. Wir möchten uns dafür an dieser Stelle nochmals beim „Freundeskreis Ziegenhals“ bedanken, der uns dies ermöglichte und sich seit Jahren für den Wiederaufbau der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte stark macht!

Das Leben und Wirken des am 16. April 1886 in Hamburg geborenen Ernst Thälmann ist mit dem Aufstieg der KPD zur Massenpartei, großen Aktionen in der Weimarer Republik gegen Krieg und Faschismus sowie dem Kampf für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter verbunden. Es war geprägt von tiefgreifenden gesellschaftlichen Verwerfungen die mit der Weltwirtschaftskrise einhergingen und Parallenen zur derzeitigen Krise aufweißt: Von Massenarbeitslosigkeit und Sozialabbau waren hauptsächlich die armen Schichten der Bevölkerung betroffen – mit einer antisemitischen und rassistischen Hetze versuchten faschistische Organisationen sich zu stärken. Die Machtübergabe an Hilter am 30. Januar 1933 und die damit verbundene, offenen faschistischen Diktatur in Deutschland war schließlich der Grund, weshalb eine Woche später, am 07. Februar 1933 sich rund 40 Mitglieder des Zentralkomittees der KPD im „Sporthaus Ziegenhals“ versammelten um darüber zu beraten, wie der Kampf gegen die Faschisten am wirksamsten zu führen sei. Thälmann, der mit seiner „Ziegenhalser Rede“ die neu entstandene Situation analysierte und seine Genossinnen und Genossen auf den bevorstehenden Terror, aber auch auf den erforderlichen Widerstandskampf, mit dem Ziel des Sturzes der Faschisten vorbereitete, wurde wenig später am 03. März 1933 von den Nazis verhaftet und nach fast 11 Jahren Haft auf direkten Befehl Himmlers und Hitlers am 18. August 1944 im KZ-Buchenwald ermordet.

81 Jahre nachdem Ernst Thälmann an diesem Ort zuletzt zu seinen Genossinnen und Genossen sprach und fast 70 Jahre nachdem er ermordet wurde, hat der Kampf gegen Reaktion und Faschismus nicht an Bedeutung verloren. Wir sind heute wie damals einer faschistischen Bedrohung in Deutschland ausgesetzt die für viele Menschen bereits tödlich endete.

So war es mehr als 13 Jahre dem sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ mit Unterstützung deutscher Behörden möglich, Menschen mit migrantischem Hintergrund zu ermorden. In Sachsen-Anhalt wurden unzählige Menschen umgebracht, weil sie nicht in das menschenverachtende Weltbild der Neofaschisten passten. In Burg kommt es seit Jahren zu Einschüchterungsversuchen und zum Teil brutalen Übergriffen, hauptsächlich gegen Antifaschistinnen und Antifaschisten, die ihren Höhepunkt nach einer antifaschistischen Demonstration am 02. November 2013 fand, als ein 18-​Jäh­ri­ger Na­zi­geg­ner erst geschlagen und anschließend kurzzeitig von Neonazis entführt wurde. Die letzten Wochen in der Stadt waren geprägt von einer Welle von weiteren Übergiffen und Versuchen der Einschüchterung in Form von eingeworfenen Fensterscheiben, Drohungen an Häuserwänden und dem versuchten eindringen in eine Wohnung eines Antifaschisten.

Wo es auf der einen Seite den Neofaschisten ermöglicht wird ihren Terror durchzuführen sind auf der anderen Seite deren Opfer und Menschen, die sich dieser Gewalt entgegenstellen, staatlichen Angriffen ausgesetzt. Mit willkürlichen Personenkontrollen, Observationen, Hausdurchsuchungen, Gerichtsverfahren und Haftstrafen wird seit mehr als zwei Jahren gegen antifaschistische Strukturen in Burg vorgegangen – um jene abzuschrecken und einzuschüchtern, die eine antifaschistische sowie selbstbestimmte Praxis gegen Neonazis umsetzen. Diesbezüglich möchten wir an dieser Stelle unsere Genossinnen und Genossen in der JVA Burg sowie Deniz und Adel grüßen, die aufgrund ihres antifaschistischen handelns, das über das staatlich akzeptierte Maß hinausging und dabei die bürgerliche Gesellschaft hinterfragte, ins Visier der Repressionsbehörden geraten sind.

Neben diesen direkten Angriffen auf uns sind antifaschistische Gedenkstätten medialen Hetzkampangnen ausgesetzt, die wie zuletzt unter anderem von der Springer-Presse initiiert werden. Mit einer Petition die den Namen „Weg mit den russischen Panzern in Berlin“ trägt wird in dem Jahr, in dem sich der deutsche Einmarsch in Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal jährt, die Demontage des sowjetischen Denkmals gefordert, das an die Befreiung durch die rote Armee erinnert.

Was in Berlin derzeit nur gefordert wird, wurde an diesem Ort bereits umgesetzt. Mit dem Abriss des „Sporthaus Ziegenhals“ im Mai 2010 in der sich die „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ befand, wurde nicht nur eine antifaschistische Gedenkstätte zerstört sondern der Versuch unternommen, wie fast überall nach der Annexion der DDR, die Namen, Symbole und Orte die an die AntifaschistInnen und KommunistInnen, die gegen den Faschismus und für eine von Ausbeutung und Unterdrückung befreite Gesellschaft kämpften, zu säubern.

In einer ähnlichen, schon widerlichen und geschichtsrevisionistischen Manier wird außerdem gegen die ehemalige DDR vorgegangen. Anstatt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Fehlern des Staates, werden Vergleiche zum menschenverachtenden deutschen Faschismus gezogen und diejenigen, die sich positiv gegenüber den Errungenschaften des sozialistischen Staates, wie der allgemeinen Sicherung vor Armut, dem Bildungssystem ohne strukturelle Benachteiligungen, oder der weitreichende Gleichberechtigung von Frauen aussprechen, werden diskriminiert und müssen, wie zuletzt eine Lehrerin in Stendal die meinte, sich in der DDR wohlgefühlt zu haben, mit drastischen Konsequenzen rechnen.

In Anbetracht dieser Tatsachen gilt es nach wie vor diesen Angriffen und Diffamierungen standzuhalten, sie nicht unbeantwortet zu lassen und entschlossen die eigene Geschichte zu verteidigen. So entschlossen der „Freundeskreis Ziegenhals“ seit Jahren für den Wiederaufbau der Gedenkstätte kämpft und damit das Andenken an Thälmann und allen weiteren ermordeten Genossinnen und Genossen aufrecht erhält, so gilt es auch weiterhin einem gemeinsamen Kampf gegen Reaktion und Faschismus zu führen. Nur wenn wir aus der Geschichte lernen, daraus Schlussfolgerungen für unser weiteres Handeln ziehen und uns nicht spalten lassen, können wir den legitimen und notwendigen Kampf für eine Gesellschaft, in der wir gemeinsam und ausgehend von den vorhandenen Möglichkeiten und Bedürfnissen der Menschen, über die Produktion und Verteilung von Gütern und den Aufbau des sozialen Gefüges entscheiden, führen.

Wir stehen zwar vor großen, aber nicht unlösbaren Herausforderungen und wollen mit ein paar Worten Thälmanns, unseren Redebeitrag beenden: „Wer kämpft um eine Idee, um eine große und gewaltige Idee, der muß alle Leiden in diesem unvermeidlichen Kampf ruhig, bewußt und, wie es einem ehrlichen Revolutionär gebührt, mit einer größten Energie zu ertragen wissen.“

ROTFRONT!