Faschismus heißt Krieg! Den Naziaufmarsch verhindern!

Für den 14. Januar 2012 rufen Nazis der sogenannten „Initiative gegen das Vergessen“, wie schon in den Vorjahren, unter dem Motto „Ehrenhaftes Gedenken statt Anpassung an den Zeitgeist!“ erneut auf, nach Magdeburg zu kommen. Diese Demonstration ist die erste Gelegenheit im neuen Jahr für Nazis aus dem ganzen Bundesgebiet, sich zu treffen und ihre Ideologie zu propagieren. So kamen am 15. Januar 2011 über 1000 Nazis in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, um an dem Aufmarsch teilzunehmen. Thematisch wird dabei versucht, die Bombardierung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg aufzugreifen und durch revisionistische Aussagen den aktuellen Geschichtsdiskurs weiter nach rechts zu lenken, um so aktiv Geschichtsrevisionismus zu betreiben. Die Faschisten knüpfen dabei gezielt durch Symbolik und Parolen an Kontinuitätslinien zum Nationalsozialismus an. Gleichzeitig wird ein Mythos von unschuldigen deutschen Opfern herbeihalluziniert, um die Verbrechen des millionenfachen Massenmords an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politischen Gegner_innen und allen anderen Menschen, die nicht in das Bild der Faschisten passten, zu relativieren.

Als Anlass für den Aufmarsch dient der Jahrestag (16. Januar 1945) eines Angriffs alliierter Bomberverbände auf die Stadt Magdeburg mit dem Ziel, die Rüstungsproduktion in der Stadt auszuschalten. Magdeburg war eine vom Schwermaschinenbau und anderer, für die Weiterführung des Krieges wichtiger Schlüsselindustrien gekennzeichnete Stadt. So hatten mit dem Krupp – Grusonwerk, der Braunkohle-Benzin AG (BRABAG) und der Junkerswerke drei Großbetriebe dort ihren Standort, die wichtige Aufgaben übernahmen, um den Krieg am laufen zu halten. Um die Produktion in den drei Großbetrieben und unzähligen Kleinbetrieben weiter zu ermöglichen, waren 1943 schon etwa 43000 Zwangsarbeiter_innen in Magdeburg registriert – ein Drittel aller Beschäftigten. Um diese in der Stadt unterzubringen, wurden bis 1944 mehrere Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald und Ravensbrück in Magdeburg errichtet. Dabei ist das Lager in Magdeburg-Rothensee, auch als „BRABAG-Lager“ bezeichnet, in dem etwa 2200 Häftlinge, in der Mehrzahl Juden aus Ungarn, inhaftiert waren und das „Polte-Lager“ in Magdeburg-Stadtfeld, zu nennen. Durch den Einsatz von Zwangsarbeitern und Häftlingen konnten so Firmen wie die „BRABAG“ oder die Polte-Werke, ein bedeutender Hersteller von Großarmaturen, sowie einer der größten Munitionsproduzenten der Welt, die Produktion aufrecht erhalten und riesige Profite erzielen. Durch Terror, Folter, Mangelernährung, maximaler Ausbeutung (mehr als 12-stündige Arbeitszeiten) und Arbeitsunfälle wurde gleichzeitig die Vernichtungskonzeption der Nazis umgesetzt. Nicht anders erging es den Magdeburger_innen, die nicht in das faschistische „Herrenrasse- Bild“ ihrer Mitmenschen passten. Mit den 1935 beschlossenen Nürnberger Rassengesetzen begannen auch die systematischen Verfolgungen der jüdischen Gemeinde, sowie der Sinti und Roma. Nur die wenigsten von Ihnen erlebten das Ende des Krieges. Umso bedeutender ist es, eine antifaschistische Gedenkkultur zu etablieren um einen aufkeimenden geschichtsrevisionistischen Diskurs entgegenzuwirken.

Nach den erfolgreichen Blockaden in Dresden 2010 und 2011 sind die wenigen verbliebenen, regelmäßigen Großveranstaltungen für die Nazis in Deutschland umso wichtiger. Die in vielen Städten stärker werdende Gegenöffentlichkeit, welche Protest durch Blockaden als legitimes Mittel zu Verhinderung der Nazi-Demonstrationen anerkennt und nutzt, erschwert es den Nazis immer häufiger, sich ungestört darzustellen und ihr menschenverachtendes Weltbild auf die Straße zu tragen. Somit erwarten wir für den „Trauermarsch“ in Magdeburg, als einen der letzten Großereignisse für die deutsche „Nazi-Szene“, auch einen nochmaligen Bedeutungsschub und damit auch ein Ansteigen der Teilnehmerzahlen.

Hinzu kommt, dass die Gegenaktivitäten in der Stadt es nicht geschafft haben, den Nazis das Erfolgsgefühl über eine, in ihren Augen gelungene Massenveranstaltung zu nehmen. Grund dafür ist zum einen das polizeiliche Vorgehen und die Kriminalisierung von Antifaschist_innen und zum anderen die inhaltlichen Differenzen zwischen verschiedensten antifaschistischen Gruppen in den letzten Jahren in Magdeburg. Dies sorgte dafür, dass sich nur wenige Menschen an den Aktivitäten gegen den Aufmarsch der Nazis beteiligten. Ebenfalls spielt die sogenannte „Meile der Demokratie“ die seit 2009 vom Magdeburger „Bündnis gegen Rechts“ (BgR) organisiert wird eine Wichtige Rolle an der Nicht-Verhinderung des Aufmarsches. So marschieren an der „Meile“, eine Kundgebung auf der Haupteinkaufsstraße der Stadt, parallel relativ ungestört mehrere hundert Nazis entlang und der Polizei fällt es somit leichter antifaschistisch engagierte Menschen zu kriminalisieren, sollten diese sich außerhalb der vom „BgR“ organisierten „Meile“ bewegen. Somit ist die „Meile der Demokratie“ in Magdeburg das, was die „Menschenkette“ in Dresden war – eine städtische Veranstaltung, die sich nicht mit der Geschichtsverdrehung der Nazis auseinandersetzt, aber antifaschistische Versuche, die Naziaufmärsche zu verhindern, indirekt behindert.

Um in diesem Jahr erfolgreich und entschlossen gegen den Naziaufmarsch vorzugehen, wollen wir an die bisherigen Erfahrungen und Erfolge anknüpfen und umso konsequenter diesen reaktionären Tendenzen entgegenzuwirken. Dabei werden wir, wie schon in den letzten Jahren uns mit einem Polizeiaufgebot konfrontiert sehen, was zum einen die Nazis schützt und zum anderen gegen aktive Linke vorgehen wird. Aus diesem Grund muss es für uns einerseits darum gehen, offensiv Räume zu erkämpfen in denen sich Antifaschist_innen sammeln und gemeinsam agieren können. Andererseits muss neben der Schwächung der Naziszene auf eine Stärkung antifaschistischer und linker Strukturen hingearbeitet werden, um vor Ort langfristig das Zusammenspiel von Nazis, Bullen und etablierter Politik sabotieren zu können. Parallel dazu gilt es natürlich auch, dem medialen und gesellschaftlichen Diskurs über „deutsche Opfer“, eine klare Position entgegenzustellen, welche die tatsächlichen Hintergründe und Schuldigen benennt. Weiterhin sollte die radikale Linke versuchen, solche Momente zu nutzen, um eigene Themen in den Vordergrund zu rücken.

Gehen wir hierfür am 14. Januar 2012 gemeinsam auf die Straße, stehen wir für eine fortschrittliche Gesellschaft ein.

Zusammen handeln – Geschichtsrevisionismus bekämpfen!
Dem Naziaufmarsch offensiv und entschlossen entgegentreten!