Jerichower Land: Naziterror stoppen

Nachdem es im November 2009 einen Angriff auf ein Wohnhaus eines Antifaschisten in Burg gab, sowie der Versuch eine Linke Kneipe in Genthin anzugreifen, gab es vorerst keine weiteren Aktionen von Neonazis. Mit Flugblattaktionen, Plakaten, einer Spontandemo und direkten Aktionen gegen Neonazis wurden diese Angriffe beantwortet (Infos dazu hier). In der letzten Zeit häufen sich wieder Neonaziaktivitäten.

So kam es in dem gesamten Stadtgebiet von Burg Ende Juli 2010 zu einer Vielzahl von Neonaziaufklebern und Plakaten (Infos hier). Diese wurden allerdings innerhalb von wenigen Tagen entfernt. Mitte August, zum Todestag des Hitler-Stellvertreter Hess, kam es in dem Stadtteil Burg-Süd zu Aufklebern und Sprühereien die an den „Mord“ von Rudolf Hess erinnern sollten. Ebenfalls wurde der Stadtteil mit Hilfe von Schablonen zu einem „Anti-Antifa Area“ ausgerufen. Im Vorfeld des Rolandfestes in Burg, was vom 10.09 – 12.09.2010 stattfand, wurde ein linker Jugendlicher von etwa zehn Neonazis in der Burger Innenstadt umstellt. Ihm wurde gedroht, sollten er und weitere Personen am Wochenende in der Innenstadt auftauchen, würde es Ärger geben. So brüllten Freitagnacht (10.09.2010) etwa zehn Neonazis in der Brüderstraße Parolen wie „Frei-Sozial-Nation“. Einige Antifaschist_innen, die sich auf den Weg in die Brüderstraße machten, wurden von der Polizei daran gehindert. Von den Neonazis wurden die Personalien aufgenommen.

Danach wurden sie zum Polizeirevier gebracht. Samstagnacht kam es dann zu einer Auseinandersetzung zwischen Neonazis und Gästen des Festes auf dem Rolandplatz. Wie schon zum Osterfeuer (Infos hier) wird das Rolandfest immer wieder von Neonazis, die hauptsächlich aus den umliegenden Dörfern kommen, aufgesucht, um dann durch die Stadt zu ziehen und linke, alternative oder andere Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, zu suchen und wenn möglich anzugreifen.

Neonazis aus dem Umfeld des „Freien Netz“ (FN) oder der „Blue White Street Elite“ (BWSE) halten sich dabei im Hintergrund. Außer an den Propagandaaktionen, an denen Personen des „FN“ beteiligt waren, gehen diese Aktionen derzeit von einer jungen Neonazigeneration aus. Vor kurzem wurde auch eine Internetseite mit dem Namen „Freie Nationalisten Burg“ veröffentlicht, die allerdings nach fünf Tagen wieder gelöscht wurde. Die Homepage sollte nach eigenen Angaben dazu dienen, gegen das bestehende System aufzurufen und den „linken Terror“ in der Stadt zu stoppen.

Am frühen Morgen des 23.09.2010 kam es dann allerdings zu einem Brand in einem Keller in Genthin. Dieser Brand brach genau unter einer Wohnung eines Antifaschisten aus. Da dieser zu diesem Zeitpunkt noch wach war, wurde der Brand schnell bemerkt und die Bewohner des Hauses verließen das Haus ohne Verletzungen. In der letzten Zeit kam es des Öfteren zu Propagandaaktionen von Neonazis hauptsächlich in der Straße wo auch der Brand ausbrach. Auch die letzten Brände in Kellern in Genthin wurden ebenfalls größtenteils in Häusern die von linken und alternativen Jugendlichen bewohnt werden, gelegt. Um auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen, fanden in den letzten Tagen mehrere Aktionen in Genthin und Burg statt.

So kam es am Samstag, dem 25.09.2010 in Genthin zu einer Spontandemonstration an der etwa 50 Personen aus der Region teilnahmen. Mit einem kurzem Redebeitrag wurde auf den versuchten Brandanschlag und die derzeitigen Neonaziaktivitäten aufmerksam gemacht. Während der Demonstration durch die Innenstadt, wurden Flugblätter an Passant_innen verteilt. Am Bahnhof fand eine Abschlusskundgebung statt, wo auf eine antifaschistische Demonstration in Potsdam hingewiesen wurde, welche im Anschluss stattfand und zu der einige der Teilnehmer_innen fuhren. Die Polizei zeigte sich an diesem Tag sehr kooperativ, wodurch es während der Demo nicht zu Personalienfeststellungen oder anderen Provokationen kam.

Am Sonntag, dem 26.09.2010 fand in Burg ein antifaschistischer Spaziergang statt, an dem um die 30 Personen teilnahmen. Es wurden vereinzelt Neonaziaufkleber entfernt und Flugblätter verteilt. Der selbsternannte „Nationale Widerstand“ war nicht anzutreffen. Trotz des andauernden Regens konnten viele Personen in der Stadt informiert werden. Ebenfalls kam es zu weiteren Plakataktionen in der Stadt.

Mit diesen Aktionen wird nicht Schluss sein. Wir rufen weiterhin dazu auf entschlossen und offensiv gegen Neonazis in der Region vorzugehen. Kein Raum für Nazis in Burg, Genthin und überall!