Staat und Nazis – Hand in Hand! Or­ga­ni­siert den Wi­der­stand!

Am 16.​Januar 2014 jährt sich zum 69. Mal die Bom­bar­die­rung Mag­d­e­burgs. Die­ses Datum be­nut­zen die Mag­d­e­bur­ger Nazis seit 1998, um die Ge­schich­te zu ver­dre­hen und ihre men­schen­ver­ach­ten­de Pro­pa­gan­da in Form eines so ge­nann­ten Ge­denk­mar­sches auf die Stra­ße zu tra­gen. Or­ga­ni­siert wird der Na­zi­auf­marsch, wel­cher sich in den letz­ten Jah­ren zu einem der größ­ten bun­des­weit ent­wi­ckelt hat, von der so ge­nann­ten “In­itia­ti­ve gegen das Ver­ges­sen”. Dem Na­zi­auf­marsch am 18. Ja­nu­ar 2014 wol­len wir mit allen Mit­teln ent­ge­gen­tre­ten und an­ti­fa­schis­ti­sche Po­si­tio­nen mit un­se­rer Vor­a­bend­de­mo am 17. Ja­nu­ar 2014 in den Vor­der­grund rü­cken.

Den Nazis und Ras­sis­ten den Kampf an­sa­gen!

Na­he­zu täg­lich kommt es zu rech­ten Schmie­re­rei­en, Pö­be­lei­en und kör­per­li­chen Über­grif­fen. Laut einer un­ab­hän­gi­gen Sta­tis­tik er­eig­net sich jeden drit­ten Tag eine Ge­walt­tat durch Nazis in Sach­sen-​An­halt. Neben den re­gel­mä­ßi­gen Über­grif­fen auf der Stra­ße oder im öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr rü­cken auch An­ti­fa­schis­tIn­nen ver­mehrt in den Fokus der Nazis. Der jüngs­te Hö­he­punkt er­eig­ne­te sich nach einer An­ti­fa-​ Demo in Burg am 02. No­vem­ber 2013. Als abends meh­re­re Fa­schis­ten ge­zielt Jagd auf An­ti­fa­schis­tIn­nen mach­ten, wurde ein 18-​Jäh­ri­ger Na­zi­geg­ner mit einem Auto in ein Wald­stück ent­führt. Nach­dem das Handy ent­wen­det wurde be­droh­ten die Nazis den Be­trof­fe­nen, um an wei­te­re Namen von ver­meint­li­chen Lin­ken zu ge­lan­gen. Die­ser Vor­fall an dem nicht nur Nazis aus Burg be­tei­ligt waren ist nur ein Bei­spiel, wel­ches das Po­ten­ti­al von fa­schis­ti­scher Ge­walt in Sach­sen-​An­halt ak­tu­ell wi­der­spie­gelt. Kürz­lich war Salz­we­del in den bun­des­wei­ten Schlag­zei­len, als Nazis die ganze Stadt mit Na­zi­pa­ro­len be­schmier­ten. Na­zi­sym­bo­le wur­den auch in den frü­hen Mor­gen­stun­den des 27. Ok­to­ber 2013 an das Nach­bar­haus des So­zia­len Zen­trums in Mag­d­e­burg-​Stadt­feld ge­schmiert. Durch den Haus­schutz konn­ten Schmie­re­rei­en di­rekt am In­fo­la­den noch ver­hin­dert wer­den.

Wäh­rend zeit­gleich hun­der­te Men­schen an den EU-​Au­ßen­gren­zen im Meer er­trin­ken und deut­sche Be­hör­den un­er­bitt­lich gegen Ge­flüch­te­te vor­ge­hen, häu­fen sich wie­der die An­grif­fe auf exis­tie­ren­de oder ge­plan­te Flücht­lings­un­ter­künf­te. Min­des­tens acht Brand­an­schlä­ge auf von Mi­gran­tIn­nen be­wohn­te Häu­ser zähl­ten wir seit Au­gust 2013 in der BRD. In Gar­de­le­gen (Sach­sen-​An­halt) leg­ten Nazis erst kürz­lich einen Brand in einem Ge­bäu­de, wel­ches als Un­ter­kunft vor­ge­se­hen war.

Staat und Nazis – Hand in Hand!

Ver­mehr­te Na­zi­über­grif­fe auf der einen und die „harte Hand“ des bür­ger­li­chen Staa­tes auf der an­de­ren Seite sol­len uns das Leben schwer ma­chen. Die Schwä­chung des Kamp­fes gegen Aus­beu­tung und Un­ter­drü­ckung hat in heu­ti­gen Zei­ten hohe Prio­ri­tät, hin­ge­gen der bür­ger­li­che Rechts­staat seine Bul­len und fa­schis­ti­schen Schlä­ger­trupps scharf macht. Diese rei­bungs­lo­se Zu­sam­men­ar­beit mit den Nazis er­le­ben wir auch bei ihren Auf­mär­schen. Beim Letz­ten in Mag­d­e­burg, am 12. Ja­nu­ar 2013, ar­bei­te­ten Nazis und Po­li­zei wort­wört­lich Hand in Hand um den Wi­der­stand auf Dis­tanz und einen mög­lichst stö­rungs­frei­en Fa­ckel­marsch zu ge­währ­leis­ten. Wäh­rend die Bul­len Be­woh­ne­rIn­nen des Li­ber­tä­ren Zen­trums mar­tia­lisch be­droh­ten und so die Kund­ge­bung der Nazis in un­mit­tel­ba­rer Nähe ab­si­cher­ten, wur­den in der In­nen­stadt Knüp­pel und Reiz­gas gegen An­ti­fas ein­ge­setzt.

Wie weit die Zu­sam­men­ar­beit von Nazis und deut­schen Be­hör­den reicht, ver­deut­lich­ten die Ent­hül­lun­gen zu den “NSU“- Mor­den und die öf­fent­li­che Auf­ar­bei­tung. Nach der Er­öff­nung des Pro­zes­ses in Mün­chen und über zwei Jahre nach dem öf­fent­li­chen Be­kannt­wer­den der Mord­se­rie wird wei­ter ver­sucht, die Ver­stri­ckun­gen zu ver­tu­schen und die deut­schen Si­cher­heits­be­hör­den me­di­al zu re­ha­bi­li­tie­ren. Ak­ten­schred­de­rung, Ge­heim­hal­tung, Er­in­ne­rungs­lü­cken und ein Zeuge der vor sei­ner Aus­sa­ge in sei­nem PKW ver­brennt – so lau­ten die Schlag­zei­len. Dabei sind die Be­wei­se für eine sys­te­ma­ti­sche Zu­sam­men­ar­beit von Po­li­zei, Ge­heim­diens­ten und Nazis so of­fen­sicht­lich und bil­den nicht die Aus­nah­me, son­dern be­stä­ti­gen die Kon­ti­nui­tät. Denn die Ge­schich­te zeigt, wenn das Ka­pi­tal seine Macht in Ge­fahr sieht, wird auf fa­schis­ti­sche Struk­tu­ren zu­rück­ge­grif­fen.

Sol­che re­gel­rech­ten „Stay Be­hind“- Or­ga­ni­sa­tio­nen wur­den schon frü­her auf­ge­baut sowie fa­schis­ti­sche und ras­sis­ti­sche Struk­tu­ren als funk­tio­na­le Ele­men­te in der ka­pi­ta­lis­ti­schen Ge­sell­schaft ge­nutzt. Letzt­lich sind Nazis nur die kon­se­quen­te Fort­set­zung einer bür­ger­li­chen Po­li­tik und des spal­ten­den Stamm­tisch-​Ras­sis­mus. For­dert der „kon­ser­va­ti­ve Bür­ger“ noch, der Staat möge was gegen die Flücht­lin­ge un­ter­neh­men, be­sorgt der Neo­na­zi das gleich selbst. So­lan­ge der Ka­pi­ta­lis­mus aber be­steht wird es wohl nicht mög­lich sein Fa­schis­ten end­gül­tig los­zu­wer­den. Die Spal­tung der Men­schen muss über­wun­den wer­den um die Ver­hält­nis­se ab­zu­schaf­fen sowie eine so­li­da­ri­sche und klas­sen­lo­se Ge­sell­schaft zu er­kämp­fen. Da ak­ti­ve So­li­da­ri­tät und eine sich ent­wi­ckeln­de Klas­sen­au­to­no­mie die Herr­schafts­ver­hält­nis­se ins Wan­ken brin­gen, gibt es ein gro­ßes In­ter­es­se daran, die Spal­tung und ge­gen­sei­ti­ge Ab­wer­tung von Men­schen stän­dig zu re­pro­du­zie­ren. Dies wird staat­li­cher­seits in ras­sis­ti­schen Son­der­ge­set­zen für Flücht­lin­ge ma­ni­fes­tiert – zeigt sich aber auch ganz kon­kret bei der tat­kräf­ti­gen Un­ter­stüt­zung neo­na­zis­ti­scher Or­ga­ni­sa­tio­nen.

In die Of­fen­si­ve! Linke Po­li­tik ver­tei­di­gen!

Nicht nur die zu­neh­men­de Aus­ein­an­der­set­zung mit Nazis son­dern auch die wie­der­keh­ren­de Re­pres­si­on und Kri­mi­na­li­sie­rungs­ver­su­che präg­ten das Jahr 2013 in der Re­gi­on. Auch bun­des­weit er­leb­ten wir ver­stärkt An­grif­fe des Staa­tes auf uns in Form von Haus­durch­su­chun­gen, Ver­fah­ren und Knast­stra­fen für Ge­nos­sIn­nen. Im Zuge des Pro­tes­tes gegen die ver­gan­ge­nen Na­zi­auf­mär­sche in Mag­d­e­burg sit­zen der­zeit meh­re­re Men­schen im Knast. Um den not­wen­di­gen an­ti­fa­schis­ti­schen Wi­der­stand zu dis­kre­di­tie­ren und an­de­re ein­zu­schüch­tern wur­den et­li­che Ver­fah­ren gegen Ge­nos­sIn­nen ein­ge­lei­tet und teils dras­ti­sche Stra­fen aus­ge­spro­chen.

Nach dem ein­ge­stell­ten Ver­fah­ren wegen ver­such­ten Tot­schlags bil­de­ten die Re­pres­si­ons­maß­nah­men am 22. Mai 2013 den neuen Hö­he­punkt staat­li­cher Kri­mi­na­li­sie­rungs­ver­su­che. Am 22. Mai 2013 fan­den in Mag­d­e­burg, Stutt­gart und Ber­lin 21 Haus­durch­su­chun­gen im Zuge der Er­mitt­lun­gen wegen Mit­glied­schaft und Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung (§129) statt. Die Re­pres­si­ons­be­hör­den er­mit­teln gegen neun Ge­nos­sIn­nen, die der „Re­vo­lu­tio­nä­ren Lin­ken“ bzw. den „Re­vo­lu­tio­nä­ren Ak­ti­ons Zel­len“ an­ge­hö­ren, diese un­ter­stützt und/oder bei der Her­aus­ga­be der Zeit­schrift „ra­di­kal“ mit­ge­wirkt haben sol­len. Im Zuge der Durch­su­chun­gen wurde Olli, der sich im Zu­sam­men­hang mit einer frü­he­ren Ver­ur­tei­lung im of­fe­nen Voll­zug be­fand, in die JVA Ber­lin Tegel und somit in den ge­schlos­se­nen Voll­zug ver­legt.

In Burg schlu­gen die Bul­len am 10. Juli 2013 er­neut zu, als es zu meh­re­ren Haus­durch­su­chun­gen gegen re­gio­na­le An­ti­fa­schis­tIn­nen kam. Als Grund hiel­ten Farb­beu­tel an der Fas­sa­de des Po­li­zei­re­viers im April 2013 her. Dar­über hin­aus waren linke Struk­tu­ren in der Stadt das ganze Jahr über Ein­schüch­te­rungs­maß­nah­men der Bul­len aus­ge­setzt, die sich zu­letzt in An­quatsch­ver­su­chen äu­ßer­ten. Nicht nur re­gio­na­le An­ti­fa­schis­tIn­nen, son­dern auch Or­ga­ni­sie­rungs­pro­zes­se von Mi­gran­tIn­nen sahen sich in die­sem Jahr eben­falls mit ver­stärk­ten An­grif­fen kon­fron­tiert, wie z.B. die Ana­to­li­sche Fö­de­ra­ti­on.

Diese Bei­spie­le und Vor­ge­hens­wei­sen zei­gen, wie die Herr­schen­den mit den sich zu­spit­zen­den Klas­sen­wi­der­sprü­chen um­zu­ge­hen ver­su­chen. Durch die Ent­wick­lung die­ser prä­ven­ti­ven und re­pres­si­ven „Qua­li­tät“ sol­len Jene ab­ge­schreckt und ein­ge­schüch­tert wer­den, die eine an­ti­fa­schis­ti­sche sowie selbst­be­stimm­te Pra­xis um­set­zen oder dies vor­ha­ben. Wir sol­len kri­mi­na­li­siert, dif­fa­miert und iso­liert wer­den, damit unser Kampf für eine klas­sen­lo­se Ge­sell­schaft nicht wei­ter an Stär­ke ge­winnt. Den­noch gilt es in die Of­fen­si­ve zu kom­men, den Klas­sen­kampf wei­ter zu füh­ren und sich noch bes­ser zu ver­net­zen, um eine ge­mein­sa­me Ab­wehr gegen die An­grif­fe auf­zu­stel­len. Der or­ga­ni­sier­te und ent­schlos­se­ne Kampf für eine Welt ohne Aus­beu­tung, Un­ter­drü­ckung und Nazis bleibt wei­ter le­gi­tim und es gilt die­sen wei­ter mit allen Mit­teln zu vor­an­zu­brin­gen.

Nazis und ihren Hel­fers­hel­fern of­fen­siv ent­ge­gen­tre­ten!

So gilt es wei­ter­hin selbst­or­ga­ni­siert, in Städ­ten oder Pro­vin­zen, über­all wo wir leben, den Nazis und ihren Un­ter­stüt­zern Pa­ro­li zu bie­ten. Das be­deu­tet für uns einen wir­kungs­vol­len an­ti­fa­schis­ti­schen Selbst­schutz zu or­ga­ni­sie­ren und eine linke und klas­sen­kämp­fe­ri­sche Po­li­tik, die den Kampf für eine klas­sen­lo­se Ge­sell­schaft auf die Ta­ges­ord­nung setzt, zu stär­ken. Die Ver­nich­tung des Fa­schis­mus mit sei­nen Wur­zeln bleibt unser Ziel. Darum reicht auch kein „Auf­stand der An­stän­di­gen“, son­dern wir müs­sen die Dinge grund­le­gend ver­än­dern, damit keine Men­schen mehr über Men­schen herr­schen. Die Selbst­or­ga­ni­sie­rung eines an­ti­fa­schis­ti­schen Schut­zes ist dabei un­er­läss­lich. Grün­de dafür sind die ein­deu­ti­gen Be­stre­bun­gen sei­tens staat­li­cher Be­hör­den, linke Po­li­tik zu kri­mi­na­li­sie­ren und rech­tem Ter­ror Platz zu schaf­fen. Es liegt an uns, einen wir­kungs­vol­len an­ti­fa­schis­ti­schen Selbst­schutz zu or­ga­ni­sie­ren, der den Nazis Beine macht. Ein sol­cher Selbst­schutz kann auch wei­ter­ge­hen­de Auf­ga­ben über­neh­men, als nur die Selbst­ver­tei­di­gung und den Kampf gegen Fa­schis­mus zu or­ga­ni­sie­ren. Ein brei­ter Selbst­schutz kann eben­so Or­ga­ne einer selbst­tä­ti­gen Klas­se in den Be­trie­ben, Schu­len, den Stadt­tei­len usw. auf­bau­en um un­se­re ei­ge­nen Or­ga­ni­sie­rungs­pro­zes­se zu stär­ken.

Den an­ti­fa­schis­ti­schen Selbst­schutz or­ga­ni­sie­ren!
Für eine klas­sen­lo­se und herr­schafts­freie Ge­sell­schaft!