Ankündigungstext zur Veranstaltung über die Entstehung der ersten proletarischen Massenorganisation zum Schutz der Arbeiterbewegung gegen faschistische Strukturen und reaktionäre Kräfte in Deutschland:

Im Mai 1924 beschäftigte sich die Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) mit der Notwendigkeit einer proletarischen Wehrorganisation um sich vor rechten Verbänden wie dem „Stahlhelm“ oder der SA zu verteidigen und der wachsenden staatlichen Repression etwas entgegen zu setzen – allerdings zunächst ohne Erfolg. Erst nach den blutigen Auseinandersetzungen rund um den »Deutschen Tag« am 11. Mai 1924 in Halle/S. bei denen mehrere KommunistInnen durch Schüsse der Polizei ums Leben kamen, kam bei einer Sitzung der KPD-Zentrale am 31. Mai 1924 ein Mehrheitsbeschluss über die Bildung des Roten Frontkämpferbundes (RFB) zustande.

Das Ziel des RFB sollte kein illegaler bewaffneter Verband, sondern eine Massenorganisation zur antimilitaristischen Agitation und zum Schutz der Arbeiterbewegung gegen Überfälle von Polizei und Faschisten sein. Außerdem sollten Mitglieder des schon existierenden und von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) geführten »Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold – Bund Republikanischer Kriegsteilnehmer« für die KPD gewonnen werden.

Die erste RFB-Ortsgruppe entstand im Juli 1924 im thüringischen Hildburghausen. In pathetischen Worten schworen die Roten Frontkämpfer den Fahneneid: »Wir klassenbewußte[n] Proletarier schwören: alle unsere Kräfte einzusetzen im Kampf um die Befreiung aller Werktätigen von kapitalistischer Ausbeutung, Unterdrückung und Verfolgung. […] Sieg oder Tod ein heiliger Schwur. Wir leben oder sterben für dich du rote Fahne der Proletarier-Diktatur.« Über 100.000 Mitglieder schlossen sich in den darauffolgenden Jahren dem RFB an.

Die Barrikadenkämpfe während des Berliner Blutmai von 1929, als nach dem Verbot des traditionellen Maiaufzuges 32 ArbeiterInnen von der Polizei erschossen wurden, dienten der sozialdemokratischen Regierung als Vorwand für das Verbot des RFB. Am 3. Mai 1929 verfügte der preußische Innenminister mit Zustimmung der Reichsregierung die Auflösung des RFB mit allen seinen Sektionen im ganzen Land Preußen. Dem Verbot Preußens folgte Bayern, Sachsen und Hamburg. Als letzes Land folgte Braunschweig am 14. Mai.

Der nun illegale RFB sollte laut einem Beschluss des ZK der KPD »Kader zur Schaffung einer Armee […] zur Verteidigung der Sowjetunion auch als Teil der Roten Armee« bilden. Zu diesem Zweck wurden Wehrsportübungen mit Geländeläufen, Jiu-Jitsu, Landkartenlesen und Morsen veranstaltet. Schießtraining fand in abgelegenen Waldstücken statt, die Roten Frontkämpfer wurden zum Eintritt in Sportschützenvereine ermutigt. Rund die Hälfte der Mitglieder blieb in der Illegalität ihrer Organisation treu.

Dem deutschen Faschismus konnte der RFB 1933 wenig entgegensetzen. Viele Rotfrontkämpfer wurden von den Faschisten ermordet, andere kämpften in den Reihen der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg oder traten der Sowjetarmee bei. Die geballte Faust und der Gruß »Rot Front« haben sich bis heute in der radikalen Arbeiterbewegung gehalten.

Veranstaltung | Fr, 15. August 2014 | 19 Uhr | Hugenottenkabinett (Bruchstr. 24) | Burg