Ankündigungstext zum zentralen Gedenk- und Aktionstag anlässlich des 70. Jahrestages der Ermordung Ernst Thälmanns:

Am 18. Au­gust die­ses Jah­res jährt sich zum 70. Mal der Tag, an dem Ernst Thälmann, nach über elfjähri­ger Ker­ker­haft, in Bu­chen­wald hin­terrücks er­mor­det wur­de.

47jährig, wur­de er am 3. März 1933 in Ber­lin durch Ver­rat von Fa­schis­ten ver­haf­tet, am 17. Au­gust 1944 von sei­nen Mördern aus der Baut­zener Zel­le ge­holt und ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald bei Wei­mar überführt und in den Mor­gen­stun­den des 18. Au­gust 1944 auf Be­fehl Hit­lers er­schos­sen. Thälmann hat kein Grab, sei­ne Asche wur­de vor dem Kre­ma­to­ri­um ver­streut. Sei­ne Er­mor­dung fand in der bun­des­deut­schen Jus­tiz bis heu­te kei­ne Sühne.

In der in­ter­na­tio­na­len So­li­da­ritäts­be­we­gung für sei­ne Frei­las­sung und für die Op­fer des Fa­schis­mus wur­de sein Name zu ei­nem Sym­bol für eine un­beug­sa­me Hal­tung ge­genüber dem Fa­schis­mus. Ernst Thälmann, der Vor­sit­zen­de der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Deutsch­lands und Vor­sit­zen­de des Rot­Front-Kämp­fer­bun­des, war vor und während sei­ner Haft­zeit welt­weit be­kannt und geschätzt. Er konn­te wie kein an­de­rer mit ein­fa­chen und kla­ren Wor­ten den Zu­sam­men­hang von Ka­pi­ta­lis­mus, Fa­schis­mus und Krieg dar­stel­len. Dafür hass­ten und has­sen ihn sei­ne Fein­de, auch heu­te noch.

Er­mor­det ha­ben sie ihn, aber die Idea­le, für die Ernst Thälmann stand, sind un­sterb­lich!

Die Er­in­ne­rung an den kom­mu­nis­ti­schen Wi­der­stand und die Wi­der­standskämp­fer aus der Ar­bei­ter­be­we­gung soll aus den Köpfen der Men­schen gelöscht wer­den.

Heu­te wer­den Straßen, Schu­len und Plätze, die nach ihm und an­de­ren An­ti­fa­schis­ten be­nannt wur­den, um­be­nannt, Denkmäler ge­schleift oder, wie in Zie­gen­hals, Ge­denkstätten zerstört oder „um­ge­wid­met“.

Auch in Ber­lin ist das Ernst-Thälmann-Denk­mal durch Spe­ku­lan­ten, in Zu­sam­men­ar­beit mit Be­zirks­po­li­ti­kern, vom Ab­riss be­droht, trotz zahl­rei­cher Be­teue­run­gen, trotz des Denk­mal­schut­zes. Be­schlos­se­ne Sa­che scheint eine Kom­men­tie­rung des Denk­mals durch eine Info-Ta­fel zu sein; im Gespräch sind Um­ge­stal­tun­gen des Denk­mal-Are­als. Wir müssen wach­sam blei­ben und für eine würdi­ge Er­in­ne­rung an Ernst Thälmann ein­tre­ten.

Für den Mord an Ernst Thälmann, den Vor­sit­zen­den der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Deutsch­lands und des Ro­ten Frontkämp­fer­bun­des, für den Mord an Tau­sen­den sei­ner Kampf­ge­nos­sin­nen und -ge­nos­sen gibt es kein Ver­ge­ben, kein Ver­ges­sen.

Die To­ten des fa­schis­ti­schen Ter­rors, des Mas­sen­mords an den Ju­den, Sin­ti und Roma in Eu­ro­pa, die Mil­lio­nen Kriegs­op­fer, ins­be­son­de­re die der Völker der So­wjet­uni­on, sind uns stets Mah­nung, um un­ermüdlich ge­gen Fa­schis­mus und Krieg zur Tat zu schrei­ten.

Die Machtüberg­a­be an Hit­ler am 30. Ja­nu­ar 1933 war möglich ge­wor­den durch die Ver­flech­tun­gen von Tei­len des deut­schen Ka­pi­tals, des Mi­litärs, der Po­li­zei und der Jus­tiz mit den Na­zis. Sie war auch möglich ge­wor­den, da die Ein­heit al­ler An­ti­fa­schis­tin­nen und An­ti­fa­schis­ten, die Ein­heit der Ar­bei­ter­klas­se nicht her­ge­stellt wer­den konn­te.

Seit 1990 wer­den in Deutsch­land fort­ge­setzt Mor­de durch Na­zis verübt. Nicht erst die NSU-Mor­de ha­ben ge­zeigt, wel­ches Aus­maß an Bru­ta­lität der fa­schis­ti­sche Ter­ror in Deutsch­land wie­der er­reicht hat. Möglich war dies durch die Ver­stri­ckun­gen der deut­schen Ge­heim­diens­te, ins­be­son­de­re des sog. Ver­fas­sungs­schut­zes (VS), mit Na­zis und Nazi-Ter­ro­ris­ten. Was uns an Aufklärung präsen­tiert wird, ist nur die Spit­ze des Eis­bergs. Wir for­dern da­her die lücken­lo­se Aufklärung der NSU-Mor­de; Be­kannt­ga­be al­ler NSU-Mit­glie­der und des Um­fangs der Zu­sam­men­ar­beit und der staat­li­chen Fi­nanz­hil­fen für brau­ne Struk­tu­ren und Par­tei­en (NPD) mit­tels „V-Männer“ durch Po­li­zei und den Ge­heim­diens­ten BND, MAD und VS. Beim An­blick die­ser Eis­berg­spit­ze wird auch deut­lich: Die For­de­run­gen nach Auflösung des VS und ein NPD-Ver­bot können da­her nur ein An­fang sein. Ein An­fang, um die Po­si­ti­on von uns An­ti­fa­schis­tin­nen und An­ti­fa­schis­ten zu stärken – in ei­nem Land, in dem die Schwarz-Brau­nen be­haup­ten, sie sei­en po­li­ti­sche „Mit­te“ und der Staat beim Kampf ge­gen Rechts ver­sagt, weil Links mit Rechts gleich­ge­setzt wird.

Da­her: Nur ge­mein­sam können wir An­ti­fa­schis­tin­nen und An­ti­fa­schis­ten den brau­nen Schlägern und Mördern, ih­ren Förde­rern und Nutz­nießern et­was ent­ge­gen­set­zen! Die kon­ti­nu­ier­li­chen und ent­schlos­se­nen an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­tes­te und Blo­cka­den wie bspw. in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ge­gen die Nazi-Um­trie­be in Dres­den, Ber­lin, Cott­bus oder Pforz­heim sind Bei­spie­le der Er­fol­ge, die wir er­zie­len können, wenn wir uns nicht spal­ten las­sen.

Wir ru­fen auf: Ge­mein­sam sind wir stark ge­gen Fa­schis­ten und Re­ak­ti­on! Weg mit der To­ta­li­ta­ris­mus- und Ex­tre­mis­mus­theo­rie, der For­mel „Rechts gleich Links“, ge­gen Ver­harm­lo­sung des Fa­schis­mus und Kri­mi­na­li­sie­rung des So­zia­lis­mus!

Das Eu­ro­pa der Ban­ken und Kon­zer­ne, kon­kret die Po­li­tik des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus, hat eine Rei­he von Ländern – Grie­chen­land, Por­tu­gal oder Spa­ni­en – in den Ruin ge­trie­ben. Die Bevölke­rung, die Werktäti­gen die­ser Länder be­zah­len die­se Kri­se des Ka­pi­tals. Gleich­zei­tig wach­sen fa­schis­ti­sche Be­we­gun­gen, wie in Grie­chen­land die sog. „Gol­de­ne Mor­genröte“, oder er­zie­len Wahl­er­fol­ge, wie in Frank­reich der Front Na­tio­nal. Die jüngs­ten Vorgänge in der Ukrai­ne las­sen uns auf­hor­chen. Ein Putsch, ein „re­gime chan­ge“, in Auf­trag ge­ge­ben von den Großmäch­ten Deutsch­land, Frank­reich und den USA – gestützt auf Fa­schis­ten und An­ti­se­mi­ten, die uns als „Op­po­si­ti­on“ aus­ge­ge­ben wer­den. Die­se of­fe­ne Pro­vo­ka­ti­on ge­genüber Russ­land ist ein Spiel mit dem Feu­er. Stoppt den im­pe­ria­lis­ti­schen Raub­zug ge­gen Ju­go­sla­wi­en, So­ma­lia, Irak, Af­gha­nis­tan, Li­by­en, Sy­ri­en, Mali, Ukrai­ne. Set­zen wir den im­pe­ria­lis­ti­schen Kriegs­brand­stif­tern un­se­ren In­ter­na­tio­na­lis­mus in Wort und Tat ent­ge­gen! Der Haupt­feind steht im ei­ge­nen Land: Krieg dem Krieg!

Wir neh­men den 70. Jah­res­tag der Er­mor­dung Ernst Thälmanns zum An­lass, um je­ner Men­schen zu ge­den­ken, die Op­fer fa­schis­ti­scher, ras­sis­ti­scher oder an­ti­se­mi­ti­scher Ge­walt wur­den.

Konferenz (10 – 12 Uhr)
Thema: Kampf um antifaschistische Einheit! – Spaltung durch Extremismus- und Gleichsetzungstheorien – gestern & heute
Moderation: Max Renkl
Mit: Leo Kuntz, Eberhard Czichon, Ralph Dobrawa, Mitglieder des „Fürther Bündnisses gegen Rechts“, Antifaschistische Aktion Burg
Ort: Karl-Liebknecht-Haus, Rosa-Luxemburg-Saal

Kranzniederlegung (12 – 13 Uhr)
an der Gedenktafel für Ernst Thälmann am Karl-Liebknecht-Haus
Moderation: Hein Pfohlmann
Mit: Vera Dehle-Thälmann (Enkelin Rosa und Ernst Thälmanns, Gerd Hommel (RFB e. V.) und Hein Pfohlmann (GET Hamburg)

Demonstration (13 – 14 Uhr)
Motto: Im Gedenken an die Kämpfer gegen Faschismus und Krieg!
Route: Beginn vom Karl-Liebknecht-Haus, über Prenzlauer Allee, Danziger Str. zum Ernst-Thälmann-Park in der Greifswalder Str.

Kundgebung (14 -16 Uhr)
Moderation: Max Renkl
Mit: Egon Krenz, Torsten Schöwitz (KPD), Ellen Brombacher (KPF in der Linkspartei), Hans-Peter Brenner (DKP), Heinrich Fink (VVN-BdA) und Vertretern von: TKP 1920, SJD-Die Falken, Antifaschistische Aktion Burg, Kurdischer Volksrat, Hope, not Hate, KP Britain, KP Portugal.